Mein Buch-Tipp


Oscar Wilde: Der selbstsüchtige Riese

Mecki Claus / Wilfried Claus

Die Kinder spielen glücklich im Garten des Riesen, bis dieser sie vertreibt und Verbotsschilder aufstellt. Dann kommt der Frühling, aber im Garten des Riesen bleibt es Winter. Eines Morgens hört er einen Vogel singen, schaut aus dem Fenster und sieht: Die Kinder sind in den Garten geschlüpft und sitzen in den blühenden Bäumen. Nur in einer Ecke des Gartens ist es noch Winter. Dort bemüht sich ein kleiner Junge vergeblich, auf einen Baum zu gelangen. Als der Riese das sieht, schmilzt sein Herz. Er setzt den Jungen auf den Baum und ruft den Kindern zu: Das ist jetzt euer Garten!

Das Kunstmärchen „Der selbstsüchtige Riese“ erschien 1888 in der Prosasammlung „Der glückliche Prinz und andere Märchen“, in der Oscar Wilde Leiden, Mitgefühl und Selbstsucht thematisierte. In der vorliegenden Geschichte entdeckt ein alter Mann sein Mitgefühl mit dem kleinen, verletzten Jungen (in sich) und hilft ihm auf den Baum. Die Leute, die vorüber kommen, sehen ihn mit den Kindern spielen – in dem herrlichsten Garten, den sie jemals gesehen haben.

Die Geschichte kann tief berühren, wenn auch nicht auf einen ersten, oberflächlichen Blick. Wer sich darauf einlassen mag, kann mitempfinden, was geschieht, wenn der Riese erkennt, was er in seinem Leben verlor und was nun erneut aufleuchtet. Er kann sich den Kindern, sich selbst und dem Leben wieder öffnen und seine verloren gegangene Lebendigkeit zurückgewinnen. Dazu gehört, dass er sich heimlich nach dem kleinen Jungen sehnt.

Eines Tages begegnet er ihm wieder. Es ist Winter, und der kleine Junge steht unter einem Baum, der in voller Blüte steht. Der Riese entdeckt die Wunden an den Händen und Füßen des Jungen und wird zornig. Wer hat dich so verletzt, fragt er und sinnt auf Rache, doch der kleine Junge erwidert: Nein, denn dies sind die Male der Liebe. Diese Szene erinnert an die Jesus-Geschichte. Sie lässt aber auch den Gedanken an das kleine, verletzte Kind zu, das dem Riesen den Spiegel vorhält und auf Versöhnung zielt.

Diese Ausgabe der Oscar-Wilde-Geschichte ist eine Gemeinschaftsarbeit mit einer besonderer Entstehungs-Geschichte. Nach den Vorgaben ihres Ehemannes, des Fotografen Wilfried Claus, hat die Puppenspielerin Mecki Claus alle Puppen und Kulissen aus Packpapier gestaltet. Wilfried Claus hat Regie geführt und die Geschichte wie ein Theaterstück mit beweglichen Figuren, die miteinander kommunizieren, inszeniert und sie mit der Kamera dokumentiert.

Übersetzt, redaktionell bearbeitet und mit einem Nachwort versehen von Patricia Hahne-Wolter.

Das Buch ist im SchauHoer-Verlag, Pulheim erschienen und neben der deutsch-sprachigen auch als englisch-deutschsprachige Ausgabe und als Kamishibai mit fünfzehn Bildtafeln erhältlich. Das Kamishibai eignet sich hervorragend für den Fremdsprachen-Unterricht, da die Geschichte in vier Sprachen erzählt wird: Deutsch, English, Españiol, Français.

Ich möchte das Buch – am liebsten als gemeinsame Lektüre für Kinder ab 8 Jahre und Erwachsene – sehr empfehlen. Es kostet 28,99 €. 

Wer sich für die Entstehungsgeschichte interessiert:


Die schönsten Märchen-Bilderbücher

Buchempfehlung für Kinder ab vier Jahre

Auch als erfahrene Erzählerin staune ich immer wieder darüber, wie aktuell Märchen sind. Wenn sie dann auch noch so liebevoll und kindgerecht gestaltet daherkommen, wie  diese Reihe aus dem NordSüd Verlag, empfehle ich sie sehr gerne weiter. Mehrere Künstler/innen haben Hänsel und Gretel, Rotkäppchen & Co illustriert und bieten Kindern ab vier Jahre einen ersten Einblick in die Märchenwelt. Frau Wernicke vom Buchladen Hielscher in Dannenberg hat sie freundlicherweise zur Verfügung gestellt, so dass sie hier, im Atelier 21, in Ruhe angeschaut und erworben werden können.

Erhältlich sind:

Das hässliche Entlein | Die Sterntaler | Dornröschen | Rotkäppchen | Hänsel und Gretel | Frau Holle | Rapunzel | Das tapfere Schneiderlein | Die Bremer Stadtmusikanten | Der Wolf und die sieben Geißlein | Die Heinzelmännchen zu Köln | Einzelpreis: 7,00 bzw. 8,00 Euro