Bücher gelesen

Michl Zirk, Sprach- und Literaturwissenschaftler und Geschichtenerzähler hat kürzlich ein Buch veröffentlicht: Freies mündliches Erzählen. Ein Grundkurs.

Ich hab es gelesen und stelle es euch gerne vor: 

Zirk, Michl: Freies mündliches Erzählen. Ein Grundkurs

1. Auflage, September 2020. Der Erzählverlag, Berlin.

ISBN 978-3-947831-47-0   /  Preis: 25,00 Eur

Freies mündliches Erzählen ist eine Kunst.

   Worauf es dabei ankommt, stellt der Sprach- und Literaturwissenschaftler und professionelle Erzähler Michl Zirk in seinem kürzlich erschienenen Buch vor. Dabei grenzt er das Feld des freien Erzählens zum Rezitieren und Storytelling ab und stellt dann grundlegende Möglichkeiten vor, eine Geschichte zu erarbeiten und zu erzählen.

   Eine Geschichte wird durch einen Anfang, eine Mitte und ein Ende zu einem Ganzen, das wusste schon der griechische Philosoph Aristoteles. Die Kenntnis ist nicht neu und taugt doch für einen Einstieg in das, was eine gute Geschichte ausmacht. Geschichten werden erst rund, wenn sie eine abgeschlossene Dramaturgie haben und der Erzähler oder die Erzählerin die Spannung auf verschiedene Weise erzeugen, steigern oder halten kann. Michl Zirk hält Beispiele dafür bereit. Er zeigt in seinem Buch, was freies mündliches Erzählen – im Gegensatz zur Schriftlichkeit – lebendig werden lässt: kurze Sätze, direkte Rede und der Verzicht auf ausführliche Beschreibungen.

   Um eine Geschichte zu erarbeiten empfiehlt er, zunächst eine Grundstruktur zu erstellen und sie in der Rohversion zu erzählen. In einem weiteren Schritt geht es darum, sie zu verinnerlichen und zu bearbeiten. Dabei müssen Fragen beantwortet, Hintergründe geklärt und Sprünge herausgefunden werden. Keine unwichtige Rolle spielt das Imaginieren: Wo befinden sich die Akteure, wie sehen sie aus und was sind das eigentlich für Typen?

   Für die Präsentation einer Geschichte schlägt Michl Zirk vor, erzählerisches Handwerkszeug wie Blickkontakt, Stimme, Mimik und Gestik, Geräusche und Reime einzusetzen. Er verweist auf Subtext, Rhythmisierung und Mnemotechniken und liefert damit ein Basis-Wissen, das helfen kann, eine Geschichte lebendig und stimmig zu gestalten. Auch das Programm sollte dramaturgisch gut durchdacht sein, sagt er, und gibt für dem Kontakt zum Publikum ebenfalls Hinweise.

   Am Ende des Buches geht’s um Organisatorisches zu Werbung, Honorar, Vertrag, Steuer, Versicherung/Haftung, Genehmigungen, Sponsoring, Förderung und Vernetzung. Er nennt Internetseiten zum Weiterlesen und Recherchieren und verweist die, die sich im Bereich „Bühnenerzählen“, „Erzählen im pädagogischen Bereich“ oder „heilsames Erzählen“ spezialisieren möchten, auf den Verband der Erzählerinnen und Erzähler (VEE).

   Was ein Erzähler oder eine Erzählerin wissen muss, hat Michl Zirk auf 100 Seiten übersichtlich und komprimiert dargestellt. Natürlich kann ein Buch keine Erzählerausbildung ersetzen, darauf verweist auch der Autor, aber einen Überblick über praxisorientiertes Basis-Wissen bietet es doch.